20.03.2011 00:26 Uhr

Heute war eine Delegation Holländischer Sterneköche da. Sie hatten richtigerweise gehört, bei mir gäbe es den besten Labskaus weit und breit. Trotz dieser Ehre war ich selbstverständlich nicht bereit, die genauen Details meiner Rezeptur preiszugeben (ich sag nur so viel: mit Bitumen hat es diesmal nichts zu tun).

Damit wir uns besser kennenlernen, hatten besagte Holländische Köche ihrerseits 12 Portionen Husarensalat dabei - oder Huzarensalade, wie man dort landesüblich zu sagen weiß. Husarensalat sieht Labskaus in der Tat ähnlich.

Also habe ich umgehend eine Jury zusammengestellt, um den 12 Husarensalaten ein fachlich fundiertes Urteil zu bescheren.

Da darf selbstverständlich Frau Holm (mehrjährige Labskausmeisterin) nicht fehlen und glücklicherweise war sie auch abkömmlich und hatte noch nicht zu Abend gegessen. Somit standen also ab jetzt noch 11 Portionen zu Verfügung. Kaum, dass ich ans Grübeln kam, betrat Frau Harms den Salon. Bekanntermaßen lautet ihr Rufname "Faß ohne Boden" ... womit dann auch nur noch eine Portion der Holländischen Köstlichkeit übrig war (obwohl Frau Harms bereits zwei Abendessen intus hatte). Darüber kamen sich Lorena und Loretta dermaßen in die Haare, dass sie umgehend disqualifiziert wurden, wodurch wiederum Opa Hagen auf den dritten Listenplatz rutschte. Opa Hagen hat zwar beizeiten seinen Geschmacksinn vermittels einer Jahrzehnte dauernden Selbstmedikation mit Strohrum im Keim erstickt, konnte deshalb allerdings das Gericht (ohne jegliche geschmackliche Ablenkung) hinsichtlich seiner Konsistenz bewerten - Opa Hagen besitzt nämlich nur noch einen Zahn, dessen Größe dem Betrachter allerdings einigen Respekt abverlangt.

Das Urteil war eindeutig: um ein vernünftiges Urteil zu fällen, braucht es noch so einige Tests. Deshalb haben wir mit den Holländischen Sterneköchen eine Vereinbarung getroffen: Wir bekommen solange Husarensalat umsonst, bis die Jury das Gefühl hat, eine ordentliche Bewertung vornehmen zu können. Denn die Jury nimmt ihre Aufgabe mehr als ernst. Und das ist auch das mindeste und natürlich ein Ausdruck von Gastfreundschaft.

Zurück zur Auswahlzurück

 

In die KneipeIn die Kneipe