08.06.2010 02:24 Uhr

Ja, ich gebe es zu: Ich war schon einmal im Urlaub und zwar in Venedig. Aber ihr glaubt ja wohl nicht, dass ich mich dort von einem Gondolieri durch die Gegend hab schippern lassen. Da nehme ich doch lieber selbst das Ruder in die Hand, vor allem, weil ich gerne bestimme, welches Liedgut gesungen wird. Und so fuhr ich also in meiner eigenen Gondel durch die Venezianischen Kanäle, ein frohgemutes Liedchen auf den Lippen und hatte die Muße, über dies und das nachzudenken. Jetzt ist es so, dass eine Gondel im Grunde ja gar kein Steuer besitzt. Denn ein vernünftiges Steuer ist rund und kein lächerliches Paddel. Wie sollte man auch sonst Back- und Steuerbord unterscheiden? Während ich nämlich just unter der Eselsbrücke hindurch fuhr, fiel mir ein alter Seemannsspruch ein, der Normalsterblichen versinnbildlichen soll, wo Back- und Steuerbord sich befinden: "Der Kapitän hält mit der rechten Hand das Steuer, mit der linken Hand kratzt er sich an der Backe." Das venezianische Steuer, welches, wie erwähnt, ein Paddel ist, hält man aber mit beiden Händen und man hat nicht mal eine Hand frei, um gegebenenfalls einer italienischen Dame zurück zu winken. Als ich die Eselsbrücke hinter mir gelassen hatte, kam mir ein zweiter Gedanke in den Kopf: Man sollte bei eben erwähntem Sinnspruch hinzufügen, dass er bei Linkshändern genau anders herum geht. Und wenn die See ruhig ist, steuert man ja gerne auch mal mit dem Fuß, bei mittlerem Seegang sogar mit beiden Mauken. Bei etwas rauer See, sollte es schon eine Hand das Steuer halten und wenn die Wellen hoch schlagen, muss man schon mit beiden Pranken zugreifen. Nach alledem war mir klar: Sinnsprüche, Steuererklärungen und Eselsbrücken sind wirklich für den Arsch. Der Urlaub hatte sich gelohnt.

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