01.04.2010 02:34 Uhr

Wie man unverhofft in den Dschungel von Borneo gerät, wäre ein längere Geschichte. Auf jeden Fall hatte ich nichts anderes bei mir als das Buschmesser meines Urgroßvaters und eine Kokusnussschale, die an meinem Gürtel baumelte. Es sah lächerlich aus und wozu das gut sein sollte, wer konnte das am Anfang wissen? Aber ich hatte so eine Ahnung.

Tagelang war ich ohne Wasser, als ich auf allen vieren einen See erreichte. Grade als ich mich kopfüber hineinstürzen wollte, spürte ich einen stechenden Schmerz in der linken Wade. Der Biss einer Kobra! Und das Viech hatte nicht einmal den Mut gehabt, mich von vorne anzugreifen. Geistesgegenwärtig fiel mir eine Yogaübung ein, die mir eine indische Tempeltänzerin in einer nächtlichen Privatstunde gezeigt hatte. So saugte ich mir das Schlangengift aus der eigenen Wade. Es schmeckte schlimmer als Rattenpisse und zudem hatte ich plötzlich einen Hexenschuss aller erster Kajüte. Aber ich war dem Sensenmann fürs erste noch einmal von der Schüppe gesprungen ... da hörte ich hinterrücks ein Gezischel. Ich rollte mich unter Schmerzen - aber schnell wie ein Blitz - auf die Seite, zückte dabei das Buschmesser und hackte dem Getier den Schädel ab. Es zuckte noch zweimal und war erledigt. Endlich hatte ich Ruhe und konnte meinen eigenen Kopf in das Wasser des Sees stecken.

Wie ich zurück aufs Schiff kam, wäre auch eine längere Geschichte. Und wozu eine Kokosnussschale gut ist, wer kann das schon wissen ... Für alle Fälle hängt sie jetzt an der Wand hinter dem Tresen. Wo ich den Kopf der Kobra hingetan hab? ... Ich werde beizeiten danach suchen.

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